Willkommen bei Teil 2 der Blogserie „Balkonplanung leicht gemacht”! Im ersten Teil dieser dreiteiligen Serie haben wir uns die Grundlagen der Balkonplanung angeschaut, und du hast eine ganze Menge über deinen Balkon erfahren: Lage, Lichtverhältnisse, Klima, Platzplanung, Nutzung… Und damit bist du jetzt bereit für den nächsten Schritt: die Pflanzenauswahl. Denn: Die Wahl der richtigen Pflanzen ist wirklich die halbe Miete, wenn es um einen blühenden Balkongarten geht! Nach der Lektüre dieses Artikels weißt du nicht nur, welche Pflanzen zu deinem Balkon passen, sondern auch wie du ihnen mithilfe des richtigen Substrats und der richtigen Pflanzgefäße und Pflege die optimalen Bedingungen für ein glückliches Pflanzenleben bietest. Los geht’s!
Teil 2: Pflanzenauswahl & praktische Umsetzung
Inhalt:
- Balkonstandorte und Pflanzentypen
- Die richtige Pflanzenauswahl
- Pflanzgefäße und Substrat
- Gieß- und Pflegeaufwand
- Fazit & Ausblick auf Teil 3
1. Balkonstandorte und Pflanzentypen – die Grundlage schaffen
Welche Balkonstandorte es gibt, haben wir uns bereits in Teil 1 angeschaut. Von schattigen Nordbalkonen über halbschattige Ost- und Westbalkone bis heiße Südbalkone gibt es alle Lichtverhältnisse, die auch die Natur außerhalb von Balkonen bietet. Und genau wie in der Natur, gibt es auch für jeden Balkonstandort die passenden Pflanzen. Wenn es dir gelingt, die für deine Bedingungen passenden Pflanzen zu wählen, dann wächst dein Garten fast von alleine. Und denk daran: Die wenigsten Balkone entsprechen einem reinen Süd-, Nord-, West- oder Ostbalkon. Vielleicht ist dein Balkon zum Teil schattig, windig oder besonders geschützt. Orientiere dich im Folgenden daher an den Grundprinzipien, aber berücksichtige auch alle übrigen Faktoren aus Teil 1 und passe so die Pflanzenauswahl an deinen konkreten Balkon an. Im Zweifelsfall gilt aber: Probieren geht über Studieren!
Südbalkon
Die klassischen Bedingungen eines Südbalkons klingen erstmal paradiesisch: Sonne satt, den ganzen Tag! Auf den zweiten Blick bedeuten sie allerdings: sengende Hitze und Trockenheit im Sommer, oft auch schon im Frühling und im Herbst. Oft lässt es sich im Sommer auf Südbalkonen nur schwer aushalten, und alles Leben scheint dort zu verbrennen. Das muss allerdings nicht sein!
Für die Südbalkonhitze gibt es keine einfache Lösung, aber ein Teil von ihr lautet: trockenheitsverträgliche, robuste Pflanzen wählen. Sie vertragen auch längere Durststrecken, stehen von Natur aus in trockenem Substrat und sind sozusagen echte Hungerkünstler. Beispiele für trockenheitsverträgliche Pflanzen sind Färberkamille, Goldhaar-Aster, Schafgarbe, Gewöhnlicher Natternkopf, Sand-Nelke, Eisenkraut und Katzenminze. Rote Beete, Zwiebeln, Knoblauch, Auberginen.
Zwei weitere wichtige Maßnahmen für trockene Sonnenbalkone lauten übrigens: Mulchen und gute Bewässerungssysteme. Last but not least: Durch die richtige und gezielte Bepflanzung (etwa durch trockenheitsresistente Hänge- und Kletterpflanzen) kannst du auf deinem Balkon gezielt ein kühleres MIkroklima schaffen, sodass sogar der heißeste Südbalkon bewohnbar wird.
Ost- oder Westbalkon
Ost- und Westbalkone liegen einfach gesagt in der Mitte zwischen sonnengefluteten Südbalkonen und schattigen Nordbalkonen. Sie haben jeweils für etwa einen halben Tag Sonne, liegen ansonsten aber im Schatten. Und genau das macht sie so spannend – aber auch herausfordernd: Es gibt keinen Standard-Ost- oder Westbalkon. Mal ist’s heiß und trocken, mal eher schattig und windig.
Die halbe-halbe-Situation heißt: Viele Pflanzen kommen hier potenziell infrage, aber ob sie sich wohlfühlen, hängt stark von zusätzlichen Bedingungen ab: Weht eine steife Brise? Ist der Balkon eher feucht oder trocken? Wie steht es um das Mikroklima auf deinem Balkon?
Wenn dein Ost- oder Westbalkon eher trocken und windig ist, eignen sich besonders robuste Pflanzen wie Natternkopf, Mauerpfeffer, Thymian oder Lavendel. Ist dein Balkon hingegen feucht und eher kühl, fühlen sich Schaumblüte, Waldsteinie, verschiedene Farnarten und Günsel wohl. Bekommt dein Balkon morgens Sonne und liegt ab dem Mittag im Schatten, dann passen Pflanzen wie Glockenblumen, Wiesenknopf und Melisse gut. Und wenn dein Balkon nachmittags sonnig und tagsüber eher schattig ist, kannst du es mit Oregano, Malve, Herbstanemone oder Schnittlauch versuchen.
Nordbalkon
Ein Nordbalkon gilt oft als der ungeliebte Problemfall unter den Balkonen: wenig Sonne, viel Schatten, und oft heißt es, dort gedeihe nichts. Doch das stimmt nicht – du musst nur wissen, wie du mit den besonderen Bedingungen umgehst. Denn wo andere Pflanzen schlappmachen, blühen echte Schattenliebhaber erst so richtig auf!
Nordbalkone bekommen in der Regel keine direkte Sonne ab, höchstens in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden – und auch das nur im Sommer. Das bedeutet: Die Verdunstung ist geringer, die Erde bleibt länger feucht, und extreme Hitze ist eher selten ein Problem. Perfekt also für Pflanzen, die es gerne kühl und schattig mögen.
Besonders wohl fühlen sich auf Nordbalkonen Schattenpflanzen und halbschattige Arten (die meisten Waldstauden!) wie Schaumblüte, Waldsteinie, Purpurglöckchen, Funkien, Wald-Ziest, Farnarten oder diverse Taubnesseln. Auch essbare Pflanzen kommen infrage: zum Beispiel Waldmeister, Walderdbeeren, Minze, Petersilie oder Rucola – sie mögen es halbschattig bis schattig und danken dir das Nordbalkonklima mit aromatischem Grün oder Früchten.
Wichtig ist auf Nordbalkonen vor allem eine gute Luftzirkulation, damit sich keine Staunässe bildet – und dass du auf Pflanzen verzichtest, die auf pralle Sonne angewiesen sind (Halbschattengewächse funktionieren dagegen durchaus!). Wenn du geschickt kombinierst, kann ein Nordbalkon ein ruhiger, grüner Rückzugsort werden – mit jeder Menge Leben.



Von links: Die trockenheitsverträgliche Schafgarbe, der Schattenliebhaber Kriechender Günsel und die halbschattenverträgliche Pfirsichblättrige Glockenblume
Jetzt bist du dran
- Schnapp dir noch einmal deine Notizen aus Teil 1 und fertige am besten eine einfache Skizze deines Balkons an. Unterteile ihn dabei – wenn möglich – in verschiedene Standortzonen und notiere, wie viele Sonnenstunden die einzelnen Bereiche ungefähr abbekommen. So bekommst du ein gutes Gefühl dafür, welche Pflanzentypen wo am besten gedeihen können. Vergiss dabei auch deine Balkonmöbel nicht – schließlich sollen nicht nur die Pflanzen, sondern auch du Platz finden.
- Überlege dir außerdem, wie viele Pflanzgefäße du in den einzelnen Bereichen unterbringen kannst – und wo du dir welche Art von Pflanze wünschst. Möchtest du vor allem Töpfe oder Balkonkästen am Geländer nutzen? Hast du Möglichkeiten, Blumenampeln aufzuhängen? Oder gibt es Platz für größere Kübel auf dem Boden?Wie du die passenden Pflanzen findest, worauf du bei der Auswahl achten solltest – und wie du deine Pflanzgefäße clever auswählst, darum geht’s im nächsten Teil.
Mein Balkon – ein Praxisbeispiel
Mein Ziel war klar: Auf nur 2,4 m² wollte ich so viele insektenfreundliche Pflanzen wie möglich unterbringen – wild, naturnah und ohne ungenutzte Fläche. Das Geländer habe ich komplett mit dicht bepflanzten Blumenkästen bestückt, ergänzt durch einige Töpfe außen am Geländer. Anfangs gab es ein Mini-Hochbeet und eine Sitzbank, doch schnell gewannen die Pflanzen die Oberhand. Heute ist die Bank eine Pflanzbank mit Stauraum, und ich nutze stattdessen einen kleinen Stuhl. Auch der Boden wird optimal genutzt: Große Kübel stehen direkt am lichtdurchlässigen Geländer, später kam eine Pflanzleiter fürs vertikale Gärtnern dazu. Ein Balkon darf sich verändern – Hauptsache, er passt zu dir.


Auf meinem winzigen 2,4 Quadratmetern bleibt kein Zentimeter ungenutzt: Balkonkästen sowie kleine und große Kübel geben sich die Klinke in die Hand.
2. Die richtige Pflanzenauswahl – worauf es ankommt
Gute Nachrichten: Mit der kleinen Standortanalyse in Teil 1 hast du bereits den Grundstein für die richtige Pflanzenauswahl gelegt. Wirf also an dieser Stelle gerne noch einmal einen Blick auf deine Notizen, denn du wirst sie jetzt brauchen. Auf Basis der von dir in den praktischen Übungen gesammelten Informationen kannst du nun die richtigen Pflanzen auswählen.
Wichtige Kriterien für die Pflanzenrecherche
Was macht eine Pflanze zur Balkon-Traumkandidatin? Ganz einfach: Sie muss mit den Gegebenheiten klarkommen – und zu dir passen. Achte bei deiner Auswahl auf:
- Lichtverhältnisse: Sonne, Halbschatten oder komplettes Schattendasein?
- Trockenheitsresistenz: Diva oder Durstheld:in?
- Wuchshöhe: Hoch hinaus oder lieber klein & fein?
- Lebensdauer: Team Einjährig oder Mehrjähriger Mitbewohner?
- Wuchskonkonkurrenz: Ausbreitungsfreudig oder eher schüchtern?
- Blütezeit: Je länger, desto besser, von März bis Oktober sollte immer etwas blühen
- Ökologischer Wert: Wird’s hier auch summen und brummen?
Und natürlich: Was brauchst DU? Willst du Bienen anlocken, deinen Morgenkaffee im grünen Sichtschutz trinken oder einfach frische Kräuter schnippeln und leckere Tomaten ernten – oder alles zusammen?
So findest du passende Pflanzen
Mein Lieblingstool für Pflanzensuche mit Anspruch: NaturaDB. Die Filterfunktionen dort sind Gold wert – du kannst alles von Standort über Blühzeit bis Insektenfreundlichkeit einstellen.
Wenn du NaturaDB öffnest, findest du mittig ein Suchfeld für bestimmte Pflanzennamen – aber viel spannender ist die Pflanzensuche mit Filter. Filtere nach Standort (z. B. Sonne, Halbschatten etc.), Blütezeit, Pflanzenart, Größe und einigem mehr. Besonders praktisch: Du kannst auch gezielt nach heimischen und insektenfreundlichen Pflanzen filtern – super für Wildbienen, Schmetterlinge & Co.
Mein Tipp: Spiel einfach ein bisschen mit den Filtern herum. Du kannst mehrere Kriterien kombinieren und bekommst dann eine Liste passender Pflanzen.
Ein Video zeigt, wie die Suchmaske von NaturaDB funktioniert.
Jetzt bist du dran: Pflanzenrecherche für deinen Balkon
- Öffne NaturaDB oder eine ähnliche Datenbank.
- Suche mithilfe der Suchmaske passende Pflanzen für deinen Balkon und für dich und berücksichtige dabei deine Notizen zum Balkonklima, Lichtverhältnissen, verfügbarem Platz usw.
- Notiere dir: Welche Ansprüche haben diese Pflanzen? (Standort, Gießverhalten, Boden, etc.) In welche Ecke deines Balkons passen sie laut ihren Ansprüchen am besten?
Mein Balkon als Praxisbeispiel
Mein Balkon liegt im Schatten, also stelle ich bei NaturaDB meistens „Schattig“ und „Halbschattig“ ein. Beim Klima lasse ich „Feucht“ oft offen, weil ich gemerkt habe, dass viele Pflanzen robuster sind, als gedacht – da lohnt sich ein bisschen Ausprobieren. Ich wähle meist „Blumen und Stauden“ aus, und bei der Höhe bleibe ich unter einem Meter – das reicht völlig auf kleinem Raum. Insektenfreundlich ist Pflicht, heimisch ein schöner Bonus. Die Blütezeit filtere ich nur, wenn ich gezielt nach einer Pflanze für eine bestimmte Jahreszeit suche. Auf diese Weise habe ich mir Stück für Stück über 80 Stauden zusammengesucht – ein wilder Waldgarten.

Meine eigene Pflanzliste meines kleinen Nordbalkons auf NaturaDB umfasst mittlerweile über 80 Stauden.
3. Pflanzgefäße & Erde – die Grundlage schaffen
Bevor’s aber so richtig blühen kann, braucht es erstmal die Basics: passende Töpfe und gute Erde. Klingt erstmal wie eine Spaßbremse, ist aber tatsächlich der Schlüssel für gesunde Pflanzen (und glückliche Gärtner:innen).
Nachhaltige Pflanzgefäße
Die Auswahl ist bei den Pflanzgefäßen groß: Ton, recycelter Kunststoff, Naturfasern oder doch ein Upcycling-Schätzchen vom Flohmarkt? Hier ein kleiner Überblick:
- Ton: atmungsaktiv, aber schwer – gut für Standfestigkeit
- Recycelter Kunststoff: leicht & wetterfest – oft unterschätzt
- Naturfasern (z. B. Kokos oder Hanf): hübsch, aber eher für die Saison
- Upcycling: aus alten Kisten, Eimern oder Töpfen werden ganz individuelle Hingucker
Mein Tipp: Je größer das Pflanzgefäß, desto besser! Aber: Nimm erstmal das, was du sowieso schon hast. Besonders Wildstauden sind äußerst genügsam und wachsen eigentlich in fast jedem Gefäß, vorausgesetzt sie stehen im richtigen Substrat und finden die richtigen Bedingungen vor.

Die klassischen Tontöpfe sind lange nicht mehr die einzige Option in Sachen Pflanzgefäße.
Erde & Substrate – das Lebenselixier für deine Pflanzen
Nicht jede Erde ist gleich. Es lohnt sich, hier kurz reinzulesen:
- Bio-Universalerde: geht für vieles, aber für einiges nur als Kompromiss
- Spezialerde: z. B. für Kräuter oder Gemüse – je nach Anspruch
- Torffrei: besser für’s Klima und genauso effektiv – ein Muss!
- Sand untermischen: gut für trockenheitsliebende Pflanzen wie Färberkamille oder Thymian
- Kompost: bringt Nährstoffe und Leben in den Topf (wenn du keinen eigenen hast, frag mal im Freundeskreis!)
Selbst mischen leicht gemacht: Für Stauden kannst du ganz einfach deine eigene Mischung herstellen: 2 Teile torffreie Erde + 1 Teil Sand + 1 Teil Kompost – fertig ist dein ganz eigenes Balkon-Substrat. Einen sehr ausführlichen Einblick in das Thema Erde für Wildpflanzen gibt Katharina auf ihrem wunderbaren Blog Wilder Meter.
Jetzt bist du dran – die Suche nach Substrat & Erde
- Mach dir eine Liste, welche Erde/Substrate deine Wunschpflanzen brauchen
- Check deine Töpfe – was hast du, was fehlt, passt alles von der Größe?
Mein Balkon als Praxisbeispiel
Am Geländer hängen bei mir mehrere 50 cm lange Blumenkästen mit Wasserablauf – alle aus recyceltem Kunststoff. Klar, Ton ist hübsch, aber auf einem Balkon zählt eben auch das Gewicht. Und: Die nachhaltigen Kunststofftöpfe haben sich super bewährt. Zusätzlich habe ich noch zwei, drei Einzeltöpfe mit Halterung, auch aus Kunststoff, und auf dem Balkonboden tummeln sich etliche größere Kübel (30–40 cm Durchmesser) sowie ein paar kleinere in allen möglichen Größen – hauptsächlich Plastik, aber auch ein paar alte Tontöpfe, die ich wiederverwertet habe. Platztechnisch bin ich eher im „Engpflanz-Modus“ unterwegs: In einem einzigen Blumenkasten wohnen bei mir oft bis zu fünf Stauden – das funktioniert erstaunlich gut. Und in den großen Kübeln tummeln sich ebenfalls mehrere Pflanzen. Aber auf einem Naturbalkon darf’s ruhig ein bisschen wild zugehen – wie in der Natur eben. Viele Pflanzen wachsen dort ganz selbstverständlich dicht an dicht. Ich verwende torffreie Bio-Blumenerde, keine großen Misch-Experimente. Meine Waldstauden mögen es humus- und nährstoffreich – und mit der Erde kommen sie prima klar. Manchmal ist weniger wirklich mehr.

Töpfe alle Größen und sehr viele Stauden reihen sich auf meinem Balkönchen ganz eng aneinander.
Gieß- und Pflegeaufwand realistisch einschätzen
Wenn du jetzt schon beim Gedanken ans tägliche Gießen ins Schwitzen gerätst – gute Nachrichten: Ein Naturbalkon ist absolut pflegeleicht. Mit der richtigen Pflanzenauswahl kannst du’s dir deutlich einfacher machen.
Pflegeleicht & wild = Win-win
Setz auf mehrjährige, heimische Wildstauden, die auf deinem Standort klarkommen – das spart Zeit und Nerven. Die sind nämlich von Natur aus anspruchslos, anpassungsfähig und perfekt für faule Gärtner:innen mit Herz (also uns). Bonuspunkte: Insekten lieben sie!
Wasserbedarf – wer braucht wie viel?
Nicht jede Pflanze säuft wie ein Kamel nach der Wüstendurchquerung. Es lohnt sich, vorher kurz zu checken, welcher Wasserbedarf zu deinem Alltag passt.
Klassiker wie Tomaten oder Minigurken sind durstige Gesellen – die musst du täglich gießen, bei Hitze auch zweimal. Wenn du weißt, dass du oft unterwegs bist, lieber Finger weg davon. Oder nur in kleinen Mengen und gut eingeplant.
Für den Alltag sind deine besten Freund:innen:
- Stauden mit mittlerem bis geringem Wasserbedarf
- Kräuter wie Salbei, Thymian, Oregano (lieben’s eher trocken)
- Pflanzen, die auch mal einen heißen Tag überstehen, ohne sofort zu welken
Pro-Tipp: Mulchen hilft, die Feuchtigkeit länger im Topf zu halten. Einfach mit Rindenmulch, Lavagranulat oder trockenem Rasenschnitt abdecken. Und: Untersetzer nutzen – sie wirken wie kleine Wasserreservoirs. Wer’s besonders smart mag, kann sich ein automatisches Bewässerungssystem gönnen – oder einfach ein paar umgedrehte Wasserflaschen zum Selbstdosieren einsetzen. Klappt prima!

Wasser spendet Leben, aber mit Pflanzen mit hohem Wasserbedarf wird das Gießen schnell zur Vollzeitbeschäftigung.
Saisonale Pflege – aber ohne Drama
Kleiner Disclaimer vorab: Dein Balkon ist kein englischer Rasen. Du musst nicht jedes Blatt mit der Nagelschere stutzen. Aber: Ein bisschen Pflege muss sein – und zwar im richtigen Maß.
Während Kräuter und Gemüse in ihrer Wachstumsphase regelmäßige Düngergaben brauchen, sind Wildstauden erst ab dem 2. oder 3. Standjahr auf etwas Nährstoff-Nachschub angewiesen – und dann auch nur sehr dosiert. Zu viel Dünger kann sie eher stressen als stärken. Die Devise: Weniger ist mehr. Wenn überhaupt, dann:
- Wurmhumus einarbeiten (z. B. im Frühjahr)
- oder sehr stark verdünnten Bio-Flüssigdünger für Balkonpflanzen verwenden (z. B. 1:5 bis 1:10 verdünnt)
Zum Rückschnitt und zur Überwinterung von Stauden sage ich nur: Ganz entspannt die Füße hochlegen und bis zum Frühjahr abwarten und Tee trinken! Wenn du wie ich heimische und winterharte Stauden wählst, überstehen sie locker zweistellige Minusgrade, und ein Rückschnitt ist frühestens Ende März angesagt!
Jetzt bist du dran
- Wie viel Zeit hast du pro Woche wirklich für deinen Balkon? Schreib’s dir auf.
- Schau dir deine Wunschpflanzen nochmal an – passen sie zu deinem Zeitbudget?
- Erstelle optional eine kleine Tabelle.
Mein Balkon als Praxisbeispiel
Ich gehe die Themen Wasser und Pflege auf meinem Balkon sehr entspannt und pragmatisch an. Da auf meinem Nordbalkon ohnehin ein eher feuchtes Klima ohne viel direkte Sonne herrscht, bleibt mir das Gießen die meiste Zeit des Jahres komplett erspart. Der Hamburger Regen ist eben der beste Gießassistent! Nur im Sommer gieße ich selten mal hier und da. Da ich ausschließlich mehrjährige Stauden mein eigen nenne, habe ich auch nicht viel Arbeit mit der Pflege: Ich lasse sie weitestgehend schalten und walten, wie sie wollen und überlasse sie sogar im Winter ihrem Schicksal. Das Ergebnis? Sie treiben jedes Jahr neu aus und belohnen mich mit einer reichen Blätter- und Blütenpracht.


Links: Der etwas triste Nordbalkon in der Winterruhe. Kaum zu glauben, dass unter dem Schnee noch Stauden leben.
Rechts: Der Hamburger Regen gießt immer noch am schönsten.
5. Fazit & Ausblick auf Teil 3
Wow, du hast’s bis hierhin geschafft – Applaus an dich und dein Durchhaltevermögen!
Du hast jetzt:
- die Grundlagen der Pflanzenauswahl verstanden
- erste Pflanzenideen gesammelt, die zu deinem Standort passen
- einen groben Plan für passende Gefäße und die richtige Erde
- und realistisch eingeschätzt, wie viel Pflegeaufwand du stemmen kannst
Damit hast du ein solides Fundament gelegt – für einen Balkon, der nicht nur schön aussieht, sondern auch echten Mehrwert für Mensch, Insekt & Umwelt bietet.
In Teil 3 geht’s richtig ans Eingemachte: Wir schauen uns insektenfreundliche Kombinationen, Pflanzbeispiele und insektenfreundliche Strukturen für den Nordbalkon an, denn auch du kannst einen kleinen aber feinen Beitrag zu mehr Biodiversität und Hummeln leisten. Du kannst zwar auch jetzt schon direkt loslegen, aber wenn du einen Nordbalkon hast und beim Morgentee oder -kaffee gerne zwischen summenden Wildbienchen und zarten Schmetterlingen sitzen willst, lohnt es sich dranzubleiben!
Du willst trotzdem schonmal ein paar insektenfreundliche Stauden shoppen? Dann wirf einen Blick auf meinen Blogartikel Schattenstauden finden: Bezugsquellen & Tipps.








Schreibe einen Kommentar