Wer mir schon länger folgt, weiß, dass Hummeln meine absoluten Lieblingsinsekten und der Grund sind, warum ich überhaupt meinen Nordbalkon in einen insektenfreundlichen Naturgarten verwandelt habe.
Als Kind hatte ich sogar mal das Vergnügen und den Mut, eine dicke, flauschige Gartenhummel zu streicheln und seitdem geht mein Herz auf, wenn ich in meiner Nähe das vertraute dunkle Brummen einer Hummel höre.
Und während ich sie neulich wieder beim Brummen beobachtet habe, kam mir eine Frage, die ich mir vorher noch nie gestellt habe:
Warum sind Hummeln eigentlich so rund?
Spoiler: Was auf den ersten Blick einfach nur niedlich wirkt, ist in Wahrheit eine ziemlich clevere Anpassung an das Leben in kühleren Temperaturen.
Die kurze Antwort
Wenn uns kalt ist, ziehen wir uns eine Jacke an, drehen die Heizung auf oder kuscheln uns unter eine Decke.
Hummeln haben all das nicht – und müssen trotzdem mit kühlen Temperaturen klarkommen. Genau hier kommt ihre rundliche, flauschige Form ins Spiel. Der kompakte Körper einer Hummel sorgt dafür, dass sie weniger Wärme verliert als ein schlank gebautes Insekt. Gleichzeitig wirkt ihr dichter Pelz wie eine Art natürliche Isolationsschicht, die die erzeugte Wärme am Körper hält.
Das verschafft ihnen einen entscheidenden Vorteil: Hummeln können schon früh im Jahr und bei deutlich niedrigeren Temperaturen aktiv werden als viele andere Insekten. Während Honigbienen meist erst ab etwa 10 °C unterwegs sind, fliegen Hummeln oft schon bei Temperaturen um die 2 bis 3 °C.
Deshalb lassen sich die ersten Hummelköniginnen schon ab Ende Februar oder Anfang März beobachten, wenn es für andere Insekten noch viel zu kalt ist. Besonders früh im Jahr sind zum Beispiel Arten wie die Wiesenhummel oder die Erdhummel unterwegs, deren Königinnen sich schon an den ersten milden Tagen auf Nahrungssuche begeben.
Und Hummeln gehen noch einen Schritt weiter: Sie können sich aktiv „aufwärmen“. Dafür lassen sie ihre Flugmuskulatur vibrieren – ein bisschen wie ein inneres Zittern. Auch wir Menschen zittern, wenn uns kalt ist, um Wärme zu erzeugen. Bei Hummeln funktioniert dieser Mechanismus jedoch besonders effizient. Dabei entsteht Wärme, ohne dass sie überhaupt fliegen müssen. So erreichen sie die nötige Betriebstemperatur, um bei kühlen Temperaturen schon so richtig durchzustarten.
Übrigens: Die Flugmuskulatur von Hummeln ist besonders kräftig ausgeprägt. Sie dient nicht nur dem Flug, sondern auch der Wärmeerzeugung – und hilft dabei, den vergleichsweise kompakten Körper in der Luft zu halten. Hummeln sind somit eigentlich kleine Muskelpakete mit Pelz.
Die „runde Hummel“ ist also alles andere als zufällig. Sie ist perfekt angepasst an ein Leben in kühleren, wechselhaften Bedingungen – und läutet genau deshalb mit ihrem sonoren Brummen schon so früh den nahenden Frühling ein.
Wilde Balkonfragen
In dieser Reihe gehe ich einfachen, aber spannenden Fragen rund um Pflanzen, Insekten und Natur auf den Grund. Bisher erschienen:
Lesetipps zur wilden Balkonfrage
Wenn du tiefer in das Thema eintauchen möchtest, findest du hier ein paar spannende Beiträge zu Hummeln:
- Westrich, Paul (2018), Die Hummeln Deutschlands, Ulmer Verlag. Ein fundiertes Standardwerk zu heimischen Hummelarten, ihrer Lebensweise und ihren ökologischen Anpassungen – verständlich geschrieben und gleichzeitig wissenschaftlich sehr solide.
- Goulson, Dave (2010), Bumblebees: Behaviour, Ecology, and Conservation, Oxford University Press. Ein international anerkanntes Fachbuch über Verhalten, Ökologie und Evolution von Hummeln, inklusive spannender Einblicke in ihre Thermoregulation und Flugfähigkeit.
- Goulson, Dave (2013), Und sie fliegt doch! Eine kurze Geschichte der Hummel, Hanser Verlag. Unterhaltsam und leicht verständlich erklärt Dave Goulson die faszinierende Biologie der Hummeln – inklusive der Aufklärung verbreiteter Mythen rund um ihren angeblich „unmöglichen“ Flug.
- NABU (o. J.), Hummeln – Lebensweise und Schutz, Naturschutzbund Deutschland. Ein guter Einstieg in die Welt der Hummeln mit Informationen zu ihrem Verhalten, ihrer Bedeutung für Ökosysteme und ihrem Schutz.







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