Nordbalkone sind wahre Hummelbalkone, denn welches Insekt wäre besser für einen schattigen Naturgarten geeignet als eine flauschige Hummel? Mit ihrem Pelz ist sie schließlich bestens ausgerüstet, um auch bei kühlen Temperaturen munter von Blüte zu Blüte zu brummen und die schönsten Schattenstauden zu besuchen.
Auch auf meinem wilden Nordbalkon sind Hummeln gern gesehene und häufige Gäste. Besonders Ackerhummeln, Erdhummeln, Wiesenhummeln, Steinhummeln und Gartenhummeln fliegen von März bis Oktober wortwörtlich in und auf meinen kleinen Mini-Balkongarten. Auffällig ist dabei übrigens, wie viele ihrer Lieblingspflanzen in Violett- und Pinktönen blühen – warum das so ist, habe ich in meiner Fragereihe „Wilde Balkonfragen“ genauer beleuchtet. Welche mehrjährigen Stauden sie dabei besonders gerne frequentieren, erfährst du hier.
Inhalt
- Geflecktes Lungenkraut
- Gundermann
- Alpen-Waldrebe
- Gefleckte Taubnessel
- Knotiger Storchschnabel
- Berg-Flockenblume
- Roter Fingerhut
- Wiesenklee
- Knotige Braunwurz
- Blutweiderich
- Wald-Ziest
- Wald-Witwenblume
1. Geflecktes Lungenkraut
Mein absoluter Lieblingsfrühblüher ist das heimische Lungenkraut in all seinen Farben und Formen. Auf meinem Nordbalkon wächst das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) – eine meiner ersten Wildstauden überhaupt. Schon ab März gehört es zu den ersten Anlaufstellen für Hummeln, die nach dem Winter dringend Nahrung brauchen. Entsprechend rege geht es hier oft schon früh im Jahr zu. Besonders spannend: Die Blüten wechseln ihre Farbe von rosa zu violett. Dahinter steckt ein cleveres System – die Farbveränderung zeigt an, ob noch Nektar vorhanden ist oder nicht. Hummeln wissen das zu nutzen und fliegen gezielt die „richtigen“ Blüten an.
Steckbrief
- Blütezeit: März und Mai
- Höhe: 15-30 cm
- Blütenfarbe: Rosa/Lila
- Standort: Halbschatten – Schatten
- Winterhart: Ja

2. Gundermann
Eine weitere frühe Staude und Heilpflanze ist der Gundermann (Glechoma hederacea). Er blüht von April bis Juni und zeigt dabei unzählige kleine, lila Lippenblüten, die von Hummeln sehr gerne besucht werden. Auf meinem Balkon hat er sich ziemlich schnell ausgebreitet und ist nach der ersten Saison plötzlich in mehreren Töpfen aufgetaucht – ein echter Überlebenskünstler also. Er kommt sowohl mit Sonne als auch mit Schatten gut zurecht und ist damit extrem unkompliziert. Man sollte nur ein bisschen im Blick behalten, dass er nicht alles übernimmt. Dafür kann man ihn auch wunderbar selbst nutzen, zum Beispiel für Tee – eine pflegeleichte und gleichzeitig sehr dankbare Pflanze.
Steckbrief
- Blütezeit: April bis Juni
- Höhe: 15-30 cm
- Blütenfarbe: Lila
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

3. Alpen-Waldrebe
Die Wald-Alpenrebe (Clematis alpina) ist die einzige Kletterpflanze in dieser Auswahl und bringt damit eine ganz eigene Struktur auf den Balkon. Sie blüht von April bis Juni mit zarten, violetten Blüten und kommt auch mit schattigeren Standorten gut zurecht. Besonders schön zu beobachten: Hummeln hängen oft kopfüber in den Blüten, während sie Nektar sammeln – vor allem Acker- und Gartenhummeln. Gerade bei größeren Arten wirkt das fast ein bisschen akrobatisch. Wenn du also auch in die Höhe gärtnern möchtest, ist sie eine tolle Ergänzung.
Steckbrief
- Blütezeit: April bis Juni
- Höhe: 1,5-3 m
- Blütenfarbe: Lila
- Standort: Halbschatten
- Winterhart: Ja

4. Gefleckte Taubnessel
Ein toller Dauerblüher für den Schatten ist die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum), die von Mai bis September pinke Farbakzente setzt. Auf meinem Balkon gehört sie zu den Stauden, die besonders zuverlässig und über einen langen Zeitraum von Hummeln angeflogen werden. Als Lippenblütler ist sie perfekt an sie angepasst – sie krabbeln förmlich in die Blüten hinein. Es sieht manchmal fast so aus, als würden sie kleine pinke Hütchen tragen. Die gefleckte Taubnessel breitet sich mit Leidenschaft bodendeckend aus und bildet mit der Zeit dichte Teppiche – umso mehr Blüten stehen dann als Nahrungsquelle zur Verfügung.
Steckbrief
- Blütezeit: Mai bis September
- Höhe: 20-60 cm
- Blütenfarbe: Pink
- Standort: Halbschatten – Schatten
- Winterhart: Ja

5. Knotiger Storchschnabel
Der Knotige Storchschnabel (Geranium nodosum) ist ein unkomplizierter Dauerblüher, der von Mai bis September immer wieder neue, eher zarte Blüten nachschiebt. Wenn du Verblühtes regelmäßig entfernst, hält er erstaunlich lange durch. Auf meinem Balkon wächst er am Geländer und bekommt dort etwas Sonne – und wird fast durchgehend von Ackerhummeln besucht. Gerade weil er so kontinuierlich blüht, ist er eine verlässliche Nahrungsquelle über viele Monate hinweg.
Steckbrief
- Blütezeit: Mai bis September
- Höhe: 20-50 cm
- Blütenfarbe: Rosa
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

6. Berg-Flockenblume
Eine weitere heimische Staude ist die Bergflockenblume, die mittlerweile leider deutlich seltener zu sehen ist. Der Korbblütler steht sogar unter Naturschutz – umso schöner, wenn er auch auf dem Balkon einen Platz findet. Sie blüht bis in den Juli hinein in einem kräftigen Violett und wird auf meinem Balkon besonders gern von Wiesenhummeln besucht, die oft erstaunlich lange in den Blüten verweilen. Laut NaturaDB gehört sie mit ihrer Anziehungskraft auf zahlreiche Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten ohnehin zu den echten Allroundern. Ihr Aussehen erinnert stark an Kornblumen – kein Wunder also, dass sie auch Waldkornblume genannt wird.
Steckbrief
- Blütezeit: Mai bis Juli
- Höhe: 30-60 cm
- Blütenfarbe: Pink oder Lila
- Standort: Sonne – Halbschaten
- Winterhart: Ja

7. Roter Fingerhut
Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) ist nicht nur eine beeindruckende Erscheinung, sondern auch eine absolute Lieblingspflanze vieler Hummeln. Er blüht von Juni bis August und bildet seine typischen, röhrenförmigen Blüten, in die die Hummeln regelrecht hineinklettern. Auf meinem Balkon gehört es zu meinen schönsten Sommermomenten, ihnen dabei zuzusehen, wie sie von Blüte zu Blüte fliegen – oft mit dicken Pollenhöschen im Gepäck. Wichtig zu wissen: Der Fingerhut ist giftig und sollte entsprechend mit Vorsicht gepflanzt und angefasst werden. Für Hummeln ist er aber eine der wertvollsten Nahrungsquellen überhaupt.
Steckbrief
- Blütezeit: Juni bis August
- Höhe: 40-150 cm
- Blütenfarbe: Pink
- Standort: Sonne – Halbschatten
- Winterhart: Ja

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8. Wiesenklee
Wiesenklee(Trifolium pratense) ist eine echte Super-Insektenpflanze und gleichzeitig ein überraschend wüchsiger Kandidat für den Balkon. Eigentlich als Bodendecker gedacht, ist er bei mir mit etwa 1 Meter deutlich in die Höhe geschossen und hat von Juni bis September unermüdlich geblüht. Die kugeligen Blüten wurden vor allem von Ackerhummeln intensiv angeflogen, und zwar über den ganzen Sommer hinweg. Durch seinen starken Wuchs und die vielen Ausläufer empfiehlt es sich, ihm einen eigenen Topf zu geben. Dafür bringt er sofort einen wilden, naturnahen Wiesencharakter auf den Balkon – und genau das macht ihn so besonders.
Steckbrief
- Blütezeit: Juni bis September
- Höhe: 20-30 cm
- Blütenfarbe: Rosa
- Standort: Sonne – Halbschatten
- Winterhart: Ja

9. Knotige Braunwurz
Die Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa) war für mich eine echte Überraschung. Auf den ersten Blick eher unscheinbar, bildet sie von Juni bis September viele kleine, bräunliche Blüten, die es aber in sich haben. Auf meinem Balkon war sie eine der am häufigsten besuchten Pflanzen – nicht nur von Hummeln, sondern auch von anderen kleineren Wildbienenarten. Sie wird bis zu einem Meter hoch, bleibt dabei aber erstaunlich schattenverträglich und unkompliziert. Gerade weil sie nicht sofort ins Auge fällt, ist sie eine dieser Pflanzen, die man leicht unterschätzt – ökologisch aber unglaublich wertvoll ist.
Steckbrief
- Blütezeit: Juni bis September
- Höhe: 50-100 cm
- Blütenfarbe: Braun
- Standort: Sonne – Halbschatten
- Winterhart: Ja

10. Blutweiderich
Dieses imposante Weiderichgewächs hat es gerne feucht und fühlt sich sogar im Sumpfkübel wohl. Von Juni bis September bildet es dichte, leuchtend pinke Blütenstände, die auf meinem Balkon regelmäßig von Hummeln angeflogen werden. Durch die vielen kleinen Einzelblüten sind sie dort oft eine ganze Weile beschäftigt – eine richtig ergiebige Nahrungsquelle im Sommer. Generell gehört der Blutweiderich zu den Stauden mit besonders hohem ökologischem Wert und zieht eine Vielzahl von Insekten an. Und auch wenn der Name etwas dramatisch klingt: Seine Blüten leuchten eher in einem kräftigen Pink als in „Blutrot“.
Steckbrief
- Blütezeit: Juni bis September
- Höhe: 50-100 cm
- Blütenfarbe: Pink
- Standort: Sonne – Halbschaten
- Winterhart: Ja

11. Wald-Ziest
Der Waldziest ist eine meiner absoluten Lieblingsstauden für den Schatten – und auf meinem Nordbalkon jedes Jahr eine echte Sommerkonstante. Der heimische Lippenblütler bringt leuchtend pinke Blüten hervor und wird von Ackerhummeln besonders zuverlässig angeflogen. Durch die typische Blütenform sind sie perfekt an sie angepasst und tauchen beim Nektarsammeln ihre langen Rüssel komplett in die Blüten. Gerade im Hochsommer, wenn viele andere Pflanzen schon nachlassen, ist der Waldziest eine wichtige und gleichzeitig unkomplizierte Nahrungsquelle – ideal für schattige Balkone.
Steckbrief
- Blütezeit: Juni bis September
- Höhe: 30-100 cm
- Blütenfarbe: Pink
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

12. Wald-Witwenblume
Die Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) stand lange auf meiner Wunschliste – und hat sich absolut gelohnt. Sie ist die schattentolerantere Verwandte der Wiesenwitwenblume und blüht von Juni bis September mit zarten, violett-rosa Blüten. Auf meinem Balkon wurde sie regelmäßig von Ackerhummeln besucht, manchmal sogar von mehreren gleichzeitig. Sie ist erstaunlich anpassungsfähig und kommt sowohl mit Sonne als auch mit Schatten gut zurecht. Wenn du eine naturnahe, langlebige Staude suchst, die zuverlässig angeflogen wird, ist sie eine klare Empfehlung für den Nordbalkon.
Steckbrief
- Blütezeit: Juni bis September
- Höhe: 50-80 cm
- Blütenfarbe: Lila
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

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