10 heimische Stauden für Schatten und Sonne

Die meisten Menschen, die auf ihrem Balkon gärtnern, haben zweifellos einige Stunden mehr Sonne als ich und mein wilder Nordbalkon, und dementsprechend anders fällt ihre Pflanzenauswahl aus. Klatschmohn, Kornblumen, Sonnenhut & Co. lieben zweifellos die Sonne und wären auf einem Schattenbalkon sehr unglücklich, es gibt aber einige Stauden, die so anpassungsfähig sind, dass sie sowohl mit sonnigen als auch mit schattigen Standorten zurechtkommen. Vorhang auf für zehn heimische und insektenfreundliche Stauden, die auch einen Umzug von einem Süd- auf einen Nordbalkon überstehen könnten!

Inhalt

  1. Schmalblättriges Lungenkraut
  2. Rote Lichtnelke
  3. Gundermann
  4. Stinkender Storchschnabel
  5. Gemeiner Frauenmantel
  6. Giersch
  7. Pfirsichblättrige Glockenblume
  8. Wald-Witwenblume
  9. Färberscharte
  10. Klebriger Salbei

1. Schmalblättriges Lungenkraut

Ein Balkon ohne Lungenkraut ist möglich, aber sinnlos. Mein absoluter Lieblingsfrühblüher kommt in vielen Farben (naja, hauptsächlich Lila und Rosa) und mit diversen Blattformen: langblättrig, schmalblättrig (Pulmonaria angustifolia), gefleckt… Auch wenn es draußen noch eiskalt ist, kommen Lungenkräuter stets schon Ende Februar/Anfang März zuverlässig bei Minusgraden aus der Erde und locken die ersten Hummeln an. Und auch wenn sie als typische Schattenstauden gelten, wachsen sie in der Natur und auf eigentlich überall: im Tief- und Bergland, von Nord bis Süd, von Ost bis West.

Steckbrief

  • Blütezeit: März und April
  • Höhe:  20-30 cm
  • Blütenfarbe: Lila
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja

2. Rote Lichtnelke

Ein echter Allrounder ist auch die Rote Lichtnelke (Silene dioica). Sie war eine der ersten schattenverträglichen mehrjährigen Stauden, die auf meinem Nordbalkon eingezogen sind, und auch sie blüht schon früh im Jahr mit ihren zarten rosa Blüten auf. In freier Wildbahn wächst sie sowohl auf feuchten Wiesen als auch in Wäldern, was sie zur perfekten Kandidatin für diese Liste macht.

Steckbrief

  • Blütezeit: April bis Juli
  • Höhe: 30-90 cm
  • Blütenfarbe: Rosa
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja

3. Gundermann

Wer es gerne wild mag und eine Staude sucht, die sich auch als Erkältungstee gut macht, greife zum Gundermann (Glechoma hederacea). Zugegeben: Nicht überall ist dieser Frühjahrsblüher gerne gesehen, da er nach er Blüte über sich und jegliche andere Stauden hinauswächst. Ich persönlich finde seine herzförmigen Blätter aber sehr hübsch und liebe ausufernde Begrünung durch Bodendecker. Er wächst jenseits der Balkongrenzen an Wald- und Wegrändern, an Gebüschen und Bachläufen sowie auf Wiesen, Weiden und in Wäldern. Sollte er dir wirklich über den Kopf herauswachsen, schneide ihn einfach ab, trockne ihn und verwende ihn als Tee gegen die nächste Erkältung, Nieren- und Blasenentzündungen sowie Magen-Darm-Beschwerden.

Steckbrief

  • Blütezeit: April bis Juni
  • Höhe: 15-30 cm
  • Blütenfarbe: Lila
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja
Lila Gundermann-Blüten

4. Stinkender Storchschnabel

Ich gebe zu, dass der Name Stinkender Storchschnabel (Geranium robertianum) nicht gerade verlockend klingt. Der Name ist hier auch definitiv Programm, was dich aber nicht davon abhalten soll, es mal auf deinem Balkon mit dieser Storchschnabel-Art zu versuchen. Sein großer Pluspunkt ist die lange Blütezeit von Mai bis Oktober, in der er unermüdlich kleine pinke Blüten bildet und dabei auch gerne mal sehr raumgreifend wird. Das Erfolgsgeheimnis dieses Storchschnabels? Im Schatten richtet die Pflanze ihre Blätter so aus, dass sie möglichst viel Licht einfangen. In der Sonne bildet sie rote Schutzpigmente, die sie vor zu viel Strahlung schützen.

Steckbrief

  • Blütezeit: Mai bis Oktober
  • Höhe: 20-50 cm
  • Blütenfarbe: Pink
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja
Ruprechtskraut mit rosa Blüte

5. Gemeiner Frauenmantel

Etwas unterschätzt wird aus meiner Sicht der Gemeine Frauenmantel (Alchemilla vulgaris). Seine kleinen gelb-grünen Blüten sind eher unscheinbar und bieten dennoch besonders winzigen Insekten jede Menge Nektar und Schutz. Er gedeiht vor allem auf feuchten Wiesen, an Waldrändern und Bachläufen, was ihn auch auf Balkonen zu einer anpassungsfähigen, robusten Staude macht. Ein weiterer großer Bonus: Dank wertvoller Gerbstoffe, Bitterstoffe und Flavonoide wirkt diese Staude entzündungshemmend, krampflösend und schleimhautzusammenziehend, und sie kann daher als Tee in der Frauenheilkunde eingesetzt werden. 

Steckbrief

  • Blütezeit: Mai und Juni
  • Höhe: 20-60 cm
  • Blütenfarbe: Gelb
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja
Frauenmantel

6. Giersch

Kaum eine Staude ist in deutschen Gärten so unbeliebt wie der Giersch (Aegopodium podagraria), denn er gilt als berühmt-berüchtigter Wucherer, der sich aufgrund seiner tiefen Wurzeln nicht mehr so leicht entfernen lässt. Für den Balkon, einen leichter zu kontrollierenden Lebensraum, empfiehlt er sich aus meiner Sicht dennoch, denn er ist ein äußerst insektenfreundlicher und wichtiger Doldenblütler, der Wildbienen, Käfer, Schwebfliegen, Raupen und Schmetterlinge in seinen Bahn zieht.

Steckbrief

  • Blütezeit: Mai bis August
  • Höhe: 30-80 cm
  • Blütenfarbe: Weiß
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja
Giersch auf der Wildblumenwiese

7. Pfirsichblättrige Glockenblume

Bist du schon Teil des Glockenblumen-Fanclubs? Wenn nicht, dann wird es jetzt höchste Zeit! Jeder (Natur-)Balkon braucht mindestens eine Glockenblumenart, und so trifft es sich gut, dass es auch einige schattenverträgliche Glockenblumen-Arten gibt. Die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) gehört definitiv dazu und zieht im Sommer viele kleine und große Wildbienen an und in ihren Bann: in lichten und sonnigen Eichenmischwäldern, Kiefern- und Tannenwäldern, an den Rändern von Wäldern und Gebüschen und Wegrändern und vielleicht bald auch auf deinem Balkon. Und die besonders gute Nachricht: Nach der Blüte kannst du diese Glockenblume zurückschneiden, und sie schenkt dir dann noch eine weiter Runde lila Glockengeläut.

Steckbrief

  • Blütezeit: Juli und August
  • Höhe: 40-100 cm
  • Blütenfarbe: Lila
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja
Blütenmeer aus LIla und Pink

8. Wald-Witwenblume

Diese mehrjährige Staude ist bei weitem nicht so bekannt wie die Wiesenwitwenblume, aber ihr fast identischer Zwilling. Die Rede ist von der Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia). Sie mag ebenso wie ich Hügel und Berge, gibt sich aber auch mit dem 2. Stock eines Mehrfamilienhauses zufrieden (hier im Hamburger Flachland ist das ja quasi das Äquivalent der Alpen) und kommt sowohl mit Schatten als auch etwas mehr Sonne zurecht. Wer schon einmal auf einer Wildblumenwiese war, weiß, dass Witwenblumen der absolute Insekten-Hit sind und darf sich daher auf viel geflügelten Besuch freuen, wenn die Wald-Witwenblume einzieht.

Steckbrief

  • Blütezeit:  Juni bis September
  • Höhe: 50-80 cm
  • Blütenfarbe: Lila
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja
Waldwitwenblume auf Nordbalkon

9. Färberscharte

Die Färberscharte (Serratule tinctoria) wächst wirklich überall:  in weiten Teilen Europas und Westasiens sowie im Westen Nordafrikas, in nährstoffarmen Mooren und Sümpfen, lichten Wäldern, Gestrüpp und Hochstaudenfluren. Dieser Korbblütler schmückt den Spätsommer mit ihren pinken Blüten und zählt in dieser Liste zu den ökologisch wertvollsten Stauden. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Fliegen und Schwebfliegen fliegen auf sie. Früher war die Färberscharte weit verbreitet, heute zählt sie zu den gefährdeten Arten. Der Grund: Ihre bevorzugten feuchten, nährstoffarmen Lebensräume sind selten geworden. Sie freut sich daher umso mehr, wenn du ihr auf deinem Balkon ein Zuhause bietest.

Steckbrief

  • Blütezeit: August und September
  • Höhe: 30-60 cm
  • Blütenfarbe: Lila
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja
Färberscharte mit pinken Blüten

10. Klebriger Salbei

Wiesensalbei und andere Salbeiarten sind allseits bekannt. Der Klebrige Salbei (Salvia glutinosa) hält sich im Gegensatz zu seinen schillernden Verwandten eher dezent im Hintergrund. Zu unrecht, denn er bevorzugt zwar Schatten und Halbschatten, verträgt aber auch Trockenheit und Sonne. Auch er mag die Berge, nimmt aber auch mit dem Flachland oder einem Kübel vorlieb, wenn er dort in nährstoff- und humusreicher Erde steht. Vor allem seine späte Blütezeit macht ihn zu einer guten Wahl für insektenfreundliche Balkone und Gärten.

Steckbrief

  • Blütezeit: Juli bis Oktober
  • Höhe: 50-100 cm
  • Blütenfarbe: Gelb
  • Standort: Sonne – Schatten
  • Winterhart: Ja

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2 Antworten zu „10 heimische Stauden für Schatten und Sonne“

  1. Avatar von gretl

    hallo Nordbalkonliebe,

    sehr interessant. Bin froh, dass ich dich entdeckt habe. Schöne Fotos, interessante Texte. Dankeschön

    1. Avatar von Patricia

      Liebe Gretl, schön, dass du was aus meinem Blog mitnehmen kannst! Viel Freude beim Gärtnern!

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Ich bin Patricia

Porträtfoto von Patricia Bobak

Willkommen auf meinem winzigen, wilden Nordbalkon! 🌱 Auf 2,4 Quadratmetern habe ich mir ein naturnahes Paradies geschaffen – trotz (oder gerade wegen) der Schattenlage. Mit diesem Blog möchte ich zeigen: Auch Nordbalkone können summen, blühen und einen wichtigen Lebensraum bieten. Lass dich inspirieren und entdecke, wie schön das Gärtnern im Schatten sein kann!

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