Häufige Fragen zum Gärtnern auf dem Nordbalkon

Wenn ich von meinem winzigen schattigen Nordbalkon erzähle, wirft das viele Fragen auf: „Was? Im Schatten wächst was?“, „Wie quetschst du über 80 Stauden auf 2,4 Quadratmeter?“ und „Hast du ein Pflanzensucht-Problem?“ sind nur einige davon.

Nach zwei Jahren naturnahem Gärtnern im Schatten wird es daher höchste Zeit für einen ausführlichen Beitrag zu den häufigsten Fragen zum Gärtnern auf einem Nordbalkon, einem weiterhin unterschätzten Balkonstandort. Wenn du also einiges über Standort, Substrat, Pflege, Pflanzenauswahl und Tierbesuche auf meinem Nordbalkon erfahren willst, bist du hier genau richtig.

Inhalt

  1. Grundlagen und Mindset
  2. Standort, Licht und Mikroklima
  3. Substrat und Pflanzen
  4. Pflanzenauswahl und Pflege
  5. Tiere und Biodiversität

1. Grundlagen und Mindset 🌱

Ein sehr häufiger Irrglauben ist: Im Schatten wächst nichts oder nicht viel – und dieser negative Glaubenssatz wird tatsächlich auch in vielen Gärtnereien verbreitet. Dabei ist das Gegenteil der Fall wie folgende Fragen und Antworten beweisen:

Wächst im Schatten überhaupt etwas?
Erinnerst du dich noch an deinen letzten Waldspaziergang im Frühling oder Sommer? Wenn nicht, dann lade ich dich herzlich dazu ein, bei deinem nächsten Waldspaziergang während der wärmeren Jahreszeiten einmal ganz bewusst den Waldboden in Augenschein zu nehmen. Und siehe da – es gibt im schattigen Wald jede Menge Blüten: Buschwindröschen, Goldnesseln, Kriechender Günsel, Berg-Flockenblume, Waldmeister, Wolliger Hahnenfuß, Silberblatt, Bärlauch… die Liste ist länger als du vielleicht im ersten Moment gedacht hast. Und die gute Nachricht ist. Was im schattigen Wald wächst, wächst in der Regel auch auf einem schattigen Nordbalkon. Du musst dich also nicht mehr länger nur mit Farnen und Funken begnügen, und kannst nach Herzenslust Waldstauden shoppen.

Ist ein Nordbalkon nicht zu dunkel für Pflanzen?
Mach dich bereit für eine wichtige Balkonweisheit: Nordbalkon ist nicht gleich Nordbalkon. Und: Nordbalkone sind keine dunklen, modrigen Orte ohne jegliches Zeichen von Leben. Einige Nordbalkone müssen zwar auf direkte Sonne verzichten, das macht sie allerdings noch lange nicht zu dunklen Orten. Wenn sie nicht gerade in den Schlagschatten eines Gebäudes oder eines Baumes fallen, bieten sie ausreichend Licht zum Schattengärtnern und können ebenso grün, wenn nicht sogar grüner werden als ihre sonnendurchfluteten Pendants. Wiederum andere Nordbalkone dürfen sich im Sommer sogar über einige Minuten oder Stunden Sonne freuen oder profitieren von indirektem Licht, z.B. durch spiegelnde Flächen an Nachbargebäuden. Es ist eigentlich für jede Lage ein Kraut gewachsen, daher kannst du diesen Glaubenssatz beruhigt ad acta legen.

Lohnt sich naturnahes Gärtnern auf so wenig Platz?
Zugegeben: Diese Frage ist nicht standortspezifisch, aber dennoch höchstrelevant, denn 2,4 Quadratmeter sind in der Tat eine winzige Fläche. Dennoch gilt das Motto: Jede Pflanze lohnt sich und rettet gegebenenfalls (Insekten-)Leben. Der Trick ist das mehrdimensionale Gärtnern in die Breite, in die Höhe und in die Diagonale. Fang einfach mit ein paar Küchenkräutern am Geländer an und lass sie eine Runde blühen – du wirst staunen wie schnell dein vermeintlich unbewohnbarer Nordbalkon zum Leben erwacht!

Muss ein Balkon sonnig sein, um insektenfreundlich zu sein?
Absolut nicht! Unsere wunderschöne Natur glänzt mit vielen verschiedenen Lebensräumen: Wald, Wiese, Moore, Gebirge, Heide und viele mehr. So vielfältig diese Landschaften sind, so vielfältig ist auch das Leben, das sich dort tummelt – inklusive Insektenwelt. Auch hier empfehle ich dir einen Waldspaziergang, und zwar im Insektenforschmodus. So viele Käfer, Wildbienen, Schwebfliegen und weitere Insekten nennen den Schatten ihr Zuhause und sind sogar auf ihn angewiesen. Was gibt es Schöneres als ihnen bei dir einen Rückzugsort zu bieten?

2. Standort, Licht und Mikroklima 🌥️

Nordbalkone gelten oft als Problemstandorte. Zu feucht, zu dunkel, zu kühl… Da wir aber schon gelernt haben, dass Nordbalkon nicht gleich Nordbalkon ist und dass im Schatten eine ganze Menge wächst, beschäftigen sich die folgenden Fragen mit dem Standort Nordbalkon:

Was genau bedeutet eigentlich „Nordbalkon“?
Ein Nordbalkon ist ein Balkon mit Ausrichtung gen Norden.
Du erinnerst dich sicher an den bekannten Merksatz: Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen. Ein Nordbalkon erlebt also im Allgemeinen wenig direkte Sonne und ist naturgemäß ein kühler Standort mit weniger Licht als etwa ein Südbalkon.

Gibt es Unterschiede zwischen Nord-, Nordost- und Nordwestbalkon?
Balkone sind so individuell wie Menschen. Nicht alle Nordbalkone sind strikt nach Norden ausgerichtet. Je nach Gebäudeausrichtung kann er auch ein Mischbalkon aus mehreren Himmelsrichtungen sein, also etwa mit Ausrichtung nach Nordosten oder Nordwesten. Die Konsequenz sind wechselnde Lichtverhältnisse, in denen sowohl Schatten- als auch Sonnenstauden gut wachsen können. Wenn du herausfinden willst, welche Art Balkon du dein Eigen nennst, empfehle ich dir eine Kompass-App und eine ausgiebige Standortanalyse.

Wie beeinflussen Hauswände, Nachbarbalkone und Geländer das Licht?
Hauswände, Nachbarbalkone und Geländer wirken wie kleine Lichtmanager: Sie schlucken, filtern oder lenken das Licht um. Helle Hauswände oder Metallgeländer können Licht sogar reflektieren und den Balkon überraschend aufhellen, während dunkle Wände, dichte Brüstungen, hohe Bäume oder darüberliegende Balkone viel Sonne wegnehmen. Deshalb fühlt sich ein Balkon manchmal heller oder dunkler an, als die Himmelsrichtung vermuten lässt – und genau hinschauen lohnt sich mehr als jede Theorie.

Wird es im Sommer auch auf einem Nordbalkon warm genug?
Ja – absolut.Auch auf Nordbalkonen wird es im Sommer warm, oft sogar überraschend warm. Hauswände speichern Hitze, warme Luft staut sich zwischen Gebäuden und abends gibt es häufig indirekte Sonne. Der große Unterschied: Die Hitze ist moderater. Während Südbalkone in der Mittagssonne regelrecht glühen, bleibt es hier angenehmer. Du kannst auch an heißen Tagen draußen sitzen, musst weniger gießen, und viele Pflanzen zeigen länger ihre schönen Blüten, weil sie nicht so schnell verbrennen oder verblühen. Bonus: Schattige Balkone sind für Insekten im Hochsommer echte Nektar-Oasen – wenn anderswo alles austrocknet.

Balkongeländer Nordbalkon

3. Substrat und Pflanzen 🪴

Nach all diesen philosophischen und theoretischen Grundlagenfragen zu Nordbalkonen, kommen wir jetzt zum konkreteren Teil, denn im besten Fall kribbelt es dir schon in den Fingern und du ziehst es ernsthaft in Erwägung, einen Sack Erde in die Hand zu nehmen und der einen oder anderen Pflanze auf deinem Nordbalkon ein Zuhause zu geben. Dann solltest du folgende Fragen betrachten:

Welche Erde eignet sich für einen schattigen Balkon?
Da sich im Schatten vor allem Waldstauden wohlfühlen, sollte auch die Erde, die du nimmst auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sein. Während Menschen, die gen Osten, Westen oder Süden naturnah Gärtner oft ihr Substrat aus Kompost, Erde und Sand selbst mischen, kannst du an dieser Stelle beruhigt die Hände in den Schoß legen und dich über deinen Nordbalkon freuen, denn: Waldstauden bzw. Schattenstauden stehen gerne in humoser, nährstoffreicher Erde, weshalb eine qualitativ hochwertige torffreie Blumenerde vollkommen ausreicht. Eine solche Blumenerde ist in der Regel so nährstoffreich, dass du in den ersten zwei Jahren nicht mal an Dünger denken musst.

Brauche ich eine Drainage im Topf?
So ziemlich alle Ratgeber zum Thema Pflanzen empfehlen eine Drainageschicht unter der Blumenerde. um Staunässe zu vermeiden. Nicht zu unrecht, denn der größte Fehler bei der Pflanzenpflege ist übermäßiges Gießen und dadurch entstehende Staunässe. Eine solche Drainage kann z.B. aus Blähten oder Kies bestehen. Aber auch hier punkten die Wald- und Schattenstauden, denn sie stehen im Grunde sehr gerne in feuchter Erde (siehe feuchtes Waldklima!). Wenn du in qualitativ hochwertige Balkonkästen mit Ablauf investierst, kannst du dir die Drainageschicht aus meiner Sicht sparen. Tatsächlich habe ich in keinem meiner Kübel eine Drainageschicht eingebaut, und meinem grünen Dschungel tut das keinen Abbruch.

Welche Topfgrößen und Pflanzgefäße sind auf kleinem Raum sinnvoll?
Auf kleinen Balkonen gilt: lieber Pflanzentetris als starre Regeln. Auf meinem Nordbalkon kombiniere ich bewusst größere Kübel, in denen mehrere Pflanzen zusammen wachsen können, mit kleineren Töpfen, die sich gut in Lücken schieben lassen. Die großen Gefäße speichern mehr Feuchtigkeit und sind pflegeleicht, die kleinen helfen, den vorhandenen Platz wirklich auszunutzen. Ein guter Einstieg sind oft Balkonkästen am Geländer, sofern das baulich möglich ist. Von dort aus kann man sich langsam vortasten und schauen, wie viel Raum noch bleibt – in der Breite, in der Höhe und zwischen bestehenden Gefäßen. Bei den Materialien setze ich fast ausschließlich auf recyceltes Plastik. Das ist leichter als Ton, schont die Statik und hat sich bei mir auch über mehrere Winter hinweg bewährt – mit Untersetzer und etwas Abstand zum Boden. Ob Ton nun mehr oder weniger Wasser speichert, ist für mich ehrlich gesagt zweitrangig: Entscheidend ist, dass das Gefäß zum Balkon, zum Gewicht und zum eigenen Pflegealltag passt.

Warum verwendest du torffreie Erde?
ch verwende torffreie Erde, weil Torfabbau wertvolle Moore zerstört – und die gehören zu den wichtigsten CO₂-Speichern überhaupt. Für mich fühlt es sich einfach stimmiger an, auf meinem Balkon keine Ressourcen zu nutzen, deren Abbau der Natur schadet. Praktischer Nebeneffekt: Viele heimische Wald- und Schattenpflanzen kommen mit humusreicher, torffreier Erde sehr gut zurecht. In Kombination mit Laub, Mulch oder etwas Kompost bleibt die Erde locker, speichert Feuchtigkeit und trocknet auf dem Nordbalkon langsamer aus. Ein Win-win für Klima, Pflanzen und Gießkanne.

Kann ich Waldstauden wirklich im Kübel pflanzen?
Oh ja! Viele Stauden auf meinem Nordbalkon gelten auf dem Papier als „nicht kübelgeeignet“, funktionieren in der Praxis aber erstaunlich gut, wenn Standort und Pflege stimmen. Auf einem Nordbalkon lassen sich die Bedingungen eines Waldbodens oft sehr gut nachbilden: kühl, schattig, humusreich und relativ gleichmäßig feucht. Mein Balkon ist dadurch ein bisschen so etwas wie ein Wellnessbereich für Waldstauden. Sie stehen geschützt, bekommen regelmäßig Aufmerksamkeit – und ich habe sie im Blick. Wenn eine Staude anfängt, ihre Nachbarinnen zu verdrängen, springe ich sogleich vermittelnd dazwischen. Wenn jemand schlappmacht, gibt’s ein bisschen Unterstützung in Form von organischem Dünger. Viele Pflanzen danken es mit üppigem Wachstum, Aussaatlust und erstaunlicher Langlebigkeit. Für mich ist das der beste Beweis, dass „kübelgeeignet“ oft eher Theorie ist – und dass Praxis, Beobachtung und ein bisschen Zuwendung manchmal wichtiger sind als jedes Pflanzenetikett.

4. Pflanzenauswahl & Pflege 🌿

Jetzt kommen wir zum spannendsten Teil. Bei der Pflanzenauswahl auf dem Nordbalkon gilt das Motto: Probieren geht über Studieren. Meistens ist im Schatten weitaus mehr möglich als gemeinhin propagiert. Wer genau hinschaut, regelmäßig gießt und gelegentlich nachjustiert, wird schnell merken: Ein naturnaher Nordbalkon ist vielfältig und sehr pflegeleicht wie folgende Fragen zeigen:

Welche Pflanzen eignen sich für den Schatten?
Verabschiede dich von Farnen und Funken und wende dich der Vielfalt im Schatten zu. Dass Waldstauden, also mehrjährige Pflanzen, die in Wäldern, auf Waldlichtungen und an Waldrändern wachsen, eine gute Wahl sind, haben wir schon festgestellt. Dazu zählen Schattenstauden wie der Kriechende Günsel, Buschwindröschen, Wald-Ziest, Wald-Storchschnabel, Walderdbeeren und Geflecktes Lungenkraut. Und auch der Blick auf Halbschattenstauden lohnt sich, denn auch dieses sind sehr schattenverträglich und brauchen nicht unbedingt direktes Sonnenlicht. Einige Beispiele sind Berg-Flockenblume, Frauenmantel, Wilde Malve und Rundblättrige oder Pfirsichblättrige Glockenblume. Und wenn Teile deines Balkons im Sommer einige Sonnenstunden erfahren, könntest du es sogar auch mit Stauden für die Sonne probieren. Mein Geländer profitiert zum Beispiel nur von einer halben Stunde Sonne täglich, und dort blühen sowohl Echte Kamille, Natternkopf als auch Wilder Majoran alias Oregano prächtig. The sky is the limit!

Muss ich schattige Pflanzen häufiger gießen?
Das Gegenteil ist der Fall! Schattengewächse stehen zwar gerne feucht, allerdings bekommen Nordbalkone weniger oder gar keine Sonne ab, weshalb die Erde der dort ansässigen Pflanzen langsamer austrocknet als auf anderen Balkonen. Zwar brauchen Nordbalkonpflanzen in der Saison auch regelmäßig Wasser, aber je nach Klima und Niederschlagsmenge in deiner Region sparst du insgesamt einige Liter. Darüber hinaus kannst du durch das sogenannte Mulchen, also das Abdecken der Oberfläche mit einer schützenden Schicht aus organischem Material wie Laub oder Rindenstücken, dafür sorgen, dass die Erde länger feucht bleibt.

Muss ich meine Pflanzen regelmäßig düngen?
Nur maßvoll. In dicht bepflanzten Kübeln verbrauchen Pflanzen mit der Zeit natürlich Nährstoffe, deshalb gebe ich einmal im Jahr – meist im Frühjahr – etwas organischen Dünger oder Kompost dazu. Mehr braucht es oft nicht. Zu viel Dünger fördert schnelles, instabiles Wachstum und schadet der natürlichen Balance eher, als dass er hilft.

Wie dicht kann ich Pflanzen setzen?
Wie viele Pflanzen in einen Topf passen, ist weniger eine Frage der Zentimeter als des Zusammenspiels: Auf kleinen Balkonen dürfen Stauden ruhig enger zusammenrücken – mein Nordbalkon ist der beste Beweis dafür. Aus drei Pflanzen im 50-cm-Kasten wurden bei mir fünf bis sechs, und das funktioniert erstaunlich gut, weil Topfpflanzen intensiv umsorgt werden und nicht ums Überleben kämpfen müssen. Wichtig ist dabei, die Pflanzen-WG klug zusammenzustellen: Keine aggressiven Wucherer mit zarten Arten kombinieren, Flach- und Tiefwurzler mischen, ähnliche Licht-, Wasser- und Nährstoffbedürfnisse berücksichtigen und die Höhen staffeln, damit alle genug Licht bekommen. So entsteht mit klugem Pflanzen-Tetris auch auf kleinstem Raum ein dicht bepflanzter, stabiler Mini-Dschungel.

Was mache ich, wenn Pflanzen sich zurückziehen?
Wenn sich Pflanzen zurückziehen, ist das erst einmal kein Grund zur Sorge, sondern ganz normaler Teil ihres Lebenszyklus. Sie speichern ihre Energie unter der Erde und machen Platz für andere Pflanzen, die später im Jahr übernehmen. Auf dem Balkon fällt das oft weniger auf, wenn du dicht und durchdacht pflanzt: Während die einen verschwinden, breiten andere ihre Blätter aus oder beginnen zu blühen. Wichtig ist, die Stellen nicht vorschnell leerzuräumen oder „nachzupflanzen“, sondern der Pflanze ihre Ruhe zu lassen. Ein bisschen Vertrauen in den natürlichen Rhythmus hilft – im nächsten Frühjahr sind sie schneller zurück, als du denkst.

Muss ich im Winter zurückschneiden oder meine Pflanzen schützen?
Grundsätzlich gilt: Verwelkte Stauden dürfen im Winter auf dem Nordbalkon ruhig stehen bleiben, denn sie erfüllen weiterhin wichtige Funktionen – Samenstände dienen Vögeln als Nahrung, Stängel und Laub als geschützte Überwinterungsplätze für Insekten. Wer mag, kann die Töpfe mit Tannenzweigen abdecken oder näher an die Hauswand rücken – empfohlen wird das oft und es schadet auch nicht. Notwendig ist es bei heimischen, winterharten Stauden aber in der Regel nicht: Die meisten vertragen problemlos zweistellige Minusgrade, die auf Balkonen in unseren inzwischen meist milden Wintern ohnehin selten erreicht werden. Ich selbst lasse alles stehen, wie es ist – und werde jedes Frühjahr zuverlässig mit neuem Austrieb belohnt. Vertrauen in die Robustheit der Pflanzen wirkt oft besser als jeder Winterschutz.

5. Tiere und Biodiversität 🐝🐌🐦

Das große Plus eines naturnahen Nordbalkons ist die Vielfalt der Insekten und sonstigen Tiere, die er anlockt. Oh ja, auch im Schatten tobt das Leben. Es wuselt, es krabbelt, es fliegt, es frisst und es fasziniert wie du an den folgenden Fragen merkst:

Was kann ich konkret für Tiere auf dem Balkon tun?
Schon kleine Maßnahmen machen einen großen Unterschied: pestizidfrei gärtnern, möglichst heimische (oder zumindest ökologisch wertvolle) Pflanzen wählen, über die Saison von März bis Oktober Blüten anbieten, Stauden über den Winter stehen lassen und – wenn Platz ist – Strukturen schaffen. Das können eine Insekten- oder Vogeltränke, eine geeignete Wildbienennisthilfe oder sogar ein Stück Totholz im Kübel sein. Wichtig ist vor allem: weniger eingreifen, mehr zulassen.

Wie viel Leben passt auf 2,4 m² Schatten?
Eine ganze Menge! Innerhalb kürzester Zeit kam die Insekten- und Tierwelt in mein winziges grünes Wohnzimmer, und dank der Größe habe ich quasi einen Platz in der ersten Reihe. Auf gerade einmal 2,4 Quadratmetern Schatten hat sich über die Zeit eine erstaunliche Artenvielfalt eingestellt: Von verschiedenen Wildbienenarten über Schwebfliegen und Wespen bis hin zu Schmetterlingen, Marienkäfern in unterschiedlichen Stadien, Ameisen, Honigbienen, Blattläusen und kleinen Spinnen. Der Balkon funktioniert damit wie ein kleines, lebendiges Mosaik aus Bestäubern, Räubern und Pflanzenbewohnern.

Können Wildbienen auch im Schatten nisten?
Ja – auch wenn das lange als unmöglich galt. In vielen Ratgebern heißt es, Nisthilfen müssten vollsonnig hängen, was auf meinem Nordbalkon schlicht nicht machbar ist. Meine erste Nisthilfe mit sehr großen Bohrlöchern (ab ca. 8 mm) blieb entsprechend unbewohnt. Erst durch den Austausch mit der Community – unter anderem nach meinem Vortrag beim Bio-Balkon-Kongress – wurde mir klar: Auch schattigere Standorte können funktionieren, nur oft später und mit passenderen Angeboten. In der zweiten Saison habe ich gezielt Nisthilfen mit kleineren Lochdurchmessern von ca. 2–8 mm angeboten. Und tatsächlich: Im Hochsommer wurden sie von einer Lehmwespe und einer Maskenbiene besiedelt. Das ergibt auch biologisch Sinn, denn im Sommer ist es selbst auf einem Nordbalkon warm genug – oft sogar angenehmer als pralle Sonne. Für mich war das einer der schönsten Balkonmomente überhaupt: der Beweis, dass sich die Natur nicht an Dogmen hält, sondern ihren eigenen Weg findet.

Hast du noch weitere Fragen zum Gärtnern auf dem Nordbalkon? Dann schreib sie mir gern in die Kommentare oder per Mail – vielleicht landen sie ja im nächsten FAQ-Artikel.

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Ich bin Patricia

Porträtfoto von Patricia Bobak

Willkommen auf meinem winzigen, wilden Nordbalkon! 🌱 Auf 2,4 Quadratmetern habe ich mir ein naturnahes Paradies geschaffen – trotz (oder gerade wegen) der Schattenlage. Mit diesem Blog möchte ich zeigen: Auch Nordbalkone können summen, blühen und einen wichtigen Lebensraum bieten. Lass dich inspirieren und entdecke, wie schön das Gärtnern im Schatten sein kann!

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