Was gibt es Schöneres als nach einem langen und oft dunklen Winter endlich die ersten zarten Triebe der Frühblüher und bald darauf die ersten bunten Blüten zu erblicken? Für mich ist es immer wieder ein kleines Wunder, dass meine mehrjährigen Stauden und Blumenzwiebeln jedes Jahr zuverlässig ihrer inneren Uhr folgen und nach der wohlverdienten Winterruhe wieder die grünsten Blätter und schönsten Blüten hervorzaubern – auf meinem schattigen Nordbalkon.
Ja, auch der Schatten kennt das Frühlingserwachen. Zwar setzt der frühlingshafte Reigen der Natur etwas später ein als auf sonnigen Flecken, aber das leise und sanfte Erwachen der Nordbalkon-Lebensgeister ist dafür umso schöner. Das beweisen folgende 10 insektenfreundliche Frühblüher, die auch ohne direkte Sonne im Schatten gut gedeihen.
Inhalt
- Geflecktes Lungenkraut
- Sibirischer Blaustern
- Bärlauch
- Traubenhyazinthen
- Waldmeister
- Wald-Vergissmeinnicht
- Gundermann
- Rote Lichtnelke
- Knoblauchsrauke
- Echtes Salomonssiegel
1. Geflecktes Lungenkraut
Einer meiner liebsten Frühblüher ist das heimische Lungenkraut – in all seinen Farben und Formen. Das Raublattgewächs kommt in zahlreichen Arten vor, darunter das Dunkle, das Gefleckte, das Langblättrige oder das Weiche Lungenkraut. Auf meinem Nordbalkon wächst das Gefleckte Lungenkraut, eine meiner ersten eingezogenen Wildstauden. Es gehört zu den Pflanzen, die schon früh im Jahr Farbe ins Spiel bringen und von März bis Mai blühen. Besonders schön ist sein kleiner Farbzauber: Die Blüten öffnen sich zunächst rosa und wechseln im Laufe der Zeit zu Violett- und Lilatönen – ein Effekt, der durch Anthocyane entsteht und an Lackmuspapier aus dem Chemieunterricht erinnert. Für Hummeln ist das Lungenkraut dabei eine der ersten wichtigen Anlaufstellen im Jahr.
Steckbrief
- Blütezeit: März bis Mai
- Höhe: 15-30 cm
- Blütenfarbe: Rosa/Lila
- Standort: Halbschatten – Schatten
- Winterhart: Ja

2. Sibirischer Blaustern
Eine schmucke Zwiebelpflanze ist der Sibirische Blaustern. der nach langen Wintern wie ein Phönix aus der Asche, aber dafür aus der kalten Erde, emporschießt und von März bis April mit seinen blauen, sternförmigen Blüten begeistert. Er ist wie der Name sagt nicht besonders heimisch, aber seit dem 18. Jahrhundert gerne in deutschen Gärten gepflanzt, und die tapferen Mauerbienen, die sich im März in mein schattiges Reich verirren, haben sich schon lange mit ihm angefreundet. Aber Achtung: Die süßen Blausterne sehen zwar unschuldig aus, sind aber in allen Teilen giftig, und daher solltest du sie besser nur mit Handschuhen streicheln.
Steckbrief
- Blütezeit: März bis April
- Höhe: 10-25 cm
- Blütenfarbe: Blau
- Standort: Halbschatten – Schatten
- Winterhart: Ja

3. Bärlauch
Der Bärlauch ist dir sicher bekannt und ein bekanntes Zwiebelgewächs, das ich mir im Frühling sehr gerne aufs Brot lege oder als Pesto verarbeite – und er mag schattige Ecken sehr gerne. Er streckt schon ab Februar tapfer die ersten Blattspitzen aus der Erde und legt dann mit der Blattproduktion erst so richtig los. Bei den Frühblühern taucht das als wilder Knoblauch bekannte Gewächs auf, weil er ab März bezaubernde weiße Scheindolden produziert, die – wie so viele Kräuterblüten – einen immensen Wert für Insekten haben und darüber hinaus auch für uns Menschen essbar sind. Knoblauch ist Leben!
Steckbrief
- Blütezeit: März bis Mai
- Höhe: 20-30 cm
- Blütenfarbe: Weiß
- Standort: Halbschatten – Schatten
- Winterhart: Ja

4. Traubenhyazinthe
Traubenhyazinthen gibt es in diversen Ausführungen, und sie gehören zusammen mit Narzissen, Krokussen und Tulpen sicherlich zu den bekanntesten Repräsentanten des Frühlingserwachsens. Ihr Name kommt – wer hätte es gedacht – von ihrer traubenförmigen Blüte. Funfact: Traubenhyazinthen wurden bereits im 16. und 17. Jahrhundert bekannt und in Mitteleuropa eingeführt. Die Hummeln und Mauerbienen freut es, denn sie besuchen meine Traubenhyazinthen im zeitigen Frühjahr gerne und regelmäßig.
Steckbrief
- Blütezeit: März bis Mai
- Höhe: 10-20 cm
- Blütenfarbe: Blau
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

5. Waldmeister
Die berüchtigte Waldmeister-Bowle und Waldmeisterpudding dürften bei einigen unter uns Erinnerungen an früher hervorrufen. Aber wer von uns wusste, wie die zugehörige Pflanze aussieht? Im Frühjahr verbreiten sich die sternförmigen Blätter in Windeseile im Kübel und machen dem Namen „Bodendecker“ alle Ehre. Ab April sind ebenjene Blätter dann mit feinen weißen Blüten übersäht, die das Interesse einiger Wildbienen wecken – während die Blätter gerne von diversen Schmetterlingsraupen angeknabbert werden. Und apropos Verzehren: Der Waldmeister taugt nicht nur als Zutat für die nächste Maibowle. Er hat auch eine echte Heilwirkung, denn seine Inhaltsstoffe Cumarin und Iridoidglykoside wirken entzündungshemmend, schweißtreibend und krampflösend. Na dann: Prost!
Steckbrief
- Blütezeit: April bis Mai
- Höhe: 15-30 cm
- Blütenfarbe: Weiß
- Standort: Halbschatten – Schatten
- Winterhart: Ja

6. Wald-Vergissmeinnicht
Das Vergissmeinnicht kennst du sicher, aber wusstest du, dass es ein schattenliebendes Äquivalent hat? Das Wald-Vergissmeinnicht wächst gerne an Waldrändern und auf Waldlichtungen und ist deshalb geradezu prädestiniert für Nordbalkone, die nunmal echte Waldbalkone sind. Die zumeist zweijährige Staude ist sehr ausbreitungs- und blühfreudig und bildet bis in den Juni hinein unermüdlich hübsche blaue Blüten. Vor allem diverse Bienen, Fliegen und Falter umflattern das schmucke heimische Raublattgewächs.
Steckbrief
- Blütezeit: April bis Juni
- Höhe: 15-40 cm
- Blütenfarbe: Blau (manchmal auch Weiß und Rosa)
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

7. Gundermann
Ein äußerst verbreiteter Bodendecker ist der Gundermann. Der wilde Lippenblütler wächst in allen Lichtverhältnissen gerne und wuchert deshalb auch im Schatten gerne fröhlich durch die Gegend, weshalb du ihn mit konkurrenzstarken Stauden oder alleine pflanzen solltest. Die hübschen lila Blüten des Gundermann sind vor allem bei Schmetterlingen wie Aurora- und Zitronenfaltern heißbegehrt, aber auch Schwebfliegen, Käfer, Honig- und Wildbienen sammeln fleißig seinen Nektar und seine Pollen. Wenn dir die Wuchsfreudigkeit deines Gundermanns zuviel wird, dann kannst du ihn einfach ernten und für dich nutzen, denn erst ist eine alte Heil- und Gewürzpflanze. Als Tee hilft er beispielsweise gegen Erkältungen, Nieren- und Blasenentzündungen sowie Magen-Darm-Beschwerden, aber auch als Gewürz im Salat eignet er sich hervorragend.
Steckbrief
- Blütezeit: April bis Juni
- Höhe: 15-30 cm
- Blütenfarbe: Lila
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

8. Rote Lichtnelke
Vorhang auf für ein besonders zartes Gewächs aus der Familie der Nelkengewächse: die Rote Lichtnelke. Sie wächst bevorzugt an lichten Waldrändern und auf frischen bis feuchten Wiesen und gehört zu den Pflanzen, die den Übergang vom Frühling in den Sommer begleiten. Ab April öffnet sie ihre ersten Blüten und blüht – je nach Standort – bis in den Hochsommer hinein. Für Wildbienen, Schmetterlinge und auch Raupen ist sie eine wertvolle Nahrungsquelle. Ein kleiner Blick in die Kulturgeschichte: Die Wurzeln der Roten Lichtnelke enthalten Saponine und wurden früher tatsächlich zum Waschen verwendet. Ihre gelben Samen galten in der Volksheilkunde zudem als Mittel gegen Schlangenbisse.
Steckbrief
- Blütezeit: April bis September
- Höhe: 30-90 cm
- Blütenfarbe: Rosa
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

9. Knoblauchsrauke
Wer im Frühling plötzlich einen zarten Knoblauchduft in der Nase hat, steht vielleicht vor der Knoblauchsrauke. Diese heimische Wildpflanze gehört zu den Kreuzblütlern und schiebt ab März ihre herzförmigen Blätter aus der Erde, dicht gefolgt von kleinen weißen Blüten. Für früh fliegende Wildbienen, Schwebfliegen und einige Schmetterlingsraupen ist sie eine wichtige Nahrungsquelle. Kulinarisch ist sie ebenfalls kein Kind von Traurigkeit: Blätter, Blüten und Samen sind essbar und schmecken mild nach Knoblauch. In der Volksheilkunde wird sie zudem wegen ihrer antibakteriellen und vitaminreichen Inhaltsstoffe geschätzt.
Steckbrief
- Blütezeit: April bis Juni
- Höhe: 20-100 cm
- Blütenfarbe: Weiß
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja (aber nur zweijährig)

10. Echtes Salomonssiegel
Das Echte Salomonssiegel ist auf den ersten Blick leicht zu übersehen, aber auf den zweiten Blick sehr filigran und einzigartig. Mit seinen elegant überhängenden Trieben und den glockenförmigen, weiß-grünen Blüten bringt es ab April eine fast märchenhafte Waldatmosphäre auf den Balkon. Die Blüten werden vor allem von Hummeln besucht. Wichtig zu wissen: So schön das Salomonssiegel ist, es ist giftig und nicht zum Verzehr geeignet. In der traditionellen Pflanzenkunde wurde die Wurzel dennoch genutzt – äußerlich, etwa bei Prellungen.
Steckbrief
- Blütezeit: April/Mai bis Juni
- Höhe: 15-40 cm
- Blütenfarbe: Weiß
- Standort: Sonne – Schatten
- Winterhart: Ja

Du steckst voll in der Balkon- und Gartenplanung und brauchst noch weitere Inspiration? Dann schaue dir meine Blogartikel zu 10 Schattenstauden für den Nordbalkon und 10 Halbschattenstauden für den Nordbalkon an.
Wenn du dich grundsätzlich fragst, ob auf deinem Nordbalkon genug Licht ankommt oder wie eng man pflanzen darf, schau gern in meinen Artikel zu häufigen Fragen rund um den Nordbalkon.
Welche Frühblüher wachsen bei dir im Schatten?







Schreibe einen Kommentar